Die Kunsthalle ist bis auf weiteres wegen der Corona-Eindämmungsverordnung geschlossen.

Zeichnende 

Hugó Scheiber 

o. J.

 

Das Blatt von Scheiber ist nicht datiert. Scheiber kam 1922 nach Berlin, nachdem er Herwarth Walden in Wien kennengelernt hatte. Die auf diesem Blatt gezeigte junge Frau trägt eine modische Frisur der frühen zwanziger Jahre, sie scheint in die Großstadt Berlin zu gehören, die den Ungarn Schreiber so fasziniert hat. Mit energischen schwarzen Strichen entwirft er seine Zeichnung und bannt die Zeichnende damit in ein Ungetüm von Sessel. Geborgen und umschlossen von den heftigen schwarzen Linie getragen von den starken Farben, sitzt sie versunken in sich da. Vielleicht schreibt sie auch, es ist keine begonnene Zeichnung zu sehen. Bei Schreiber steht der expressive Gestus, die fast schon groben Linien in deutlichem Kontrast zu der völlig zurückgenommenen Versunkenheit der Zeichnerin. Von ihr erfahren wir genau genommen: nichts. Wer so zeichnet, ist auf einem anderen Stern. 

 

Sophie Tonitz

In: Bizarre Begegnung. Bilder schauen dich an. Porträts aus der Sammlung Brabant. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 11. Juli – 8. November 2009 im Stadtmuseum Penzberg