TANZ AUF DEM VULKAN *** DIE 1920ER-JAHRE-NACHT IM CAPITOL***2. NOVEMBER 2019***KARTEN ÜBER INFO@KUNSTVEREIN-TALSTRASSE.DE "Die schaffende Galatea. Frauen sehen Frauen" Von Paula Modersohn-Becker bis Cornelia Schleime - 27. Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Bodytopia

Olaf Martens Fotografien

Der Fotograf Olaf Martens, der sein Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchdruck absolviert hat, zählt seit über 30 Jahren zu den bekanntesten Provokateuren der deutschen Fotografie. Als seine Bilder nach der Wende ihren Weg in westdeutsche Magazine wie den Hamburger Stern fanden, feierte man ihn auch als den „Helmut Newton des Ostens“. Dabei hat Martens Faszination für schöne Frauen mit endlos langen Beinen in provokanten Posen ihren Ursprung weniger in der schillernden Modewelt, sondern zeigt vielmehr eine dem sozialistischen Alltag entsprungene Aktfotografie, die in ihrem spezifischen gesellschaftspolitischen Kontext über rein visuelle Motive hinausgeht. Nicht zuletzt stehen seine Modelle und Protagonistinnen beispielhaft für einen Typus der selbstbewussten und selbstbestimmten Ostdeutschen Frau.

In der Ausstellung Bodytopia stellt die Kunsthalle “Talstrasse“ nun Martens Fotografien der frühen 1990er Jahren seinen aktuellen Arbeiten gegenüber. Ein verbindendes Element, das sich durch sein gesamtes Schaffen zieht, ist die Verfremdung der Weiblichkeit, was Martens in seinem neuesten Projekt „Dystopia“ bis zur Maskerade steigert. In opulenten Inszenierungen ist diese inzwischen zum Ausdruck seiner Beschäftigung mit der rasanten Entwicklung innovativer Technologien und der damit verbundenen Diskussion über die Zukunft geworden. Er visualisiert damit unter anderem eine Stadt, deren Bewohner Genoiden und Cyborg-Frauen sind, die von hybriden Mischwesen ohne persönliche Identität regiert wird und sich das Individuum mehr und mehr hinter aufgesetzten Masken verliert. Martens beeinflussen in seinem Werk insbesondere die Gedanken von Francis Fukuyama. Ihm zufolge verändert die Biotechnologie in der Zukunft nicht nur die Lebensweise der Menschen, sondern auch die Natur, was zur Entstehung einer posthumanen Gesellschaft führen könnte. Sowohl die ironisch-zynische Stimmung als auch die kalte Erotik in seinem Werk schaffen eine besonders kritische aber auch soziale Aspekte berührende Atmosphäre und eröffnen eine Diskussion über die Zukunft der Menschheit. Die Auseinandersetzung zeigt, wie weit wir auf unserer Reise zum Posthumanen bereits angekommen sind und veranschaulicht die zunehmende Fragilität des Individuums.

In Ergänzung zu Bodytopia werden in der gesonderten Kabinettausstellung Zone Ost Fotografien von Olaf Martens aus der Wendezeit präsentiert. Die eindringlichen Arbeiten, die vornehmlich in Martens Heimatstadt Halle (Saale) und Umgebung entstanden sind, spiegeln beispielhaft das Alltags-Leben in den letzten Jahren der untergehenden DDR wieder. Beide Ausstellungen bilden zusammen eine Retrospektive, die Olaf Martens Schaffen von den Anfängen der späten 1980er Jahre bis zur Gegenwart nachvollzieht.

Beitragsfoto: Olaf Martens, aus der Serie Dystopia, Baumwollspinnerei, Leipzig 2014