Kuratorenführungen: Sonntag, 27. Januar um 16.30 Uhr +++ Donnerstag, 14. Februar um 17 Uhr

Die schaffende Galatea. Frauen sehen Frauen

Malerei, Grafik, Plastik

Das Jahr 2019 rückt die Frauenbewegung erneut in den gesellschaftlichen Blick. Anhand aktueller Debatten um die Gender Paygap oder vor allem auch der #MeToo-Debatte wird deutlich, dass der Weg zur vollen Gleichstellung von Mann und Frau längst noch nicht zu Ende gegangen ist. In Deutschland begann dieser Weg vor weit mehr als 100 Jahren. Ein Meilenstein war in diesem Zusammenhang die Einführung des Frauenwahlrechts in der Weimarer Republik im Jahre 1919. Dieses Jubiläum soll der Kunsthalle “Talstrasse“ in diesem Jahr Anlass sein, dem Thema „Frau“ im kunsthistorischen Kontext des 20. Jahrhunderts eine Ausstellung zu widmen.

Das Frauenbild in der westlichen Kultur bediente sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts fast ausschließlich gängigen Klischees, die über Jahrhunderte in einer von Männern bestimmten Welt entwickelt und überliefert worden sind. Insbesondere bildende Künstler ließen ihren Phantasien über das Weibliche freien Lauf und übersetzten sie in Stereotypen wie die Gottesmutter Maria, Venus, Mutter oder Verführerin. So finden sich in ihren Werken ehrfürchtige Jungfrauen neben wollüstigen Nymphen, sittsame Hausfrauen neben bösartigen Furien – bis weit in das 20. Jahrhundert hinein! Den durch gesellschaftliche Strukturen sanktionierten Männerphantasien standen lange Zeit nur wenige Bildfindungen von Künstlerinnen gegenüber.

Die Ausstellung „Die schaffende Galatea. Frauen sehen Frauen“, die vom 12. Juli bis zum 13. Oktober 2019 in der Kunsthalle “Talstrasse“ gezeigt werden wird, richtet den Blick ausschließlich auf Kunstwerke weiblicher Autorenschaft. Exemplarisch soll gezeigt werden, wie sich Frauen bzw. Künstlerinnen aus ihrer Rolle als Objekt herauslösen und zum Subjekt erheben: die ehemals Posierende wird selbst zur Schöpferin. Im Fokus der Ausstellung steht dabei die Fragestellung, ob es in der bildenden Kunst so etwas wie einen spezifisch „weiblichen Blick“ der Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts auf ihr eigenes Geschlecht gibt. Fokussiert und zugespitzt wird diese Hypothese, wenn der Gegenstand der künstlerischen Darstellung selbst eine Frau, eine Frauengruppe oder ein, von einer weiblichen Protagonistin dominiertes Geschehen ist. Die Ausstellung wird dabei versuchen, den Blick der Besucher*innen in mehrere Richtungen zu sensibilisieren und zu erweitern und versucht die Frage zu beantworten, in welchem Maße Traditionen und kulturelle Zugehörigkeiten den Blick auf Frauen und das Geschlechterverhältnis im Allgemeinen verändert haben.

Es ist beabsichtigt, einen Bogen von der Klassischen Moderne bis hin zu Positionen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu schlagen und Künstlerinnen wie Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz und Gabriele Münter ebenso einzubeziehen wie Sarah Haffner, Rebecca Horn und Cornelia Schleime.

Zeitgleich im Kabinett: „Frauen-Schönheit-Schicht. Fotografien von Barbara Köppe“   

Foto: Maria Lassnig, Portrait mit Schmetterling, 1973, Blei- und Buntstift auf Papier, 60 x 40 cm, Sammlung Helmut Klewan