Kuratorenführung mit Frau Dr. Ursula Röper durch die Kabinettausstellung "Frauen-Schönheit-Schicht. Fotografien von Barbara Köppe" am Donnerstag, 5. September um 17 Uhr "Die schaffende Galatea. Frauen sehen Frauen" Von Paula Modersohn-Becker bis Cornelia Schleime - 27. Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Frauen-Schönheit-Schicht. Frauen im VEB Kosmetik – Kombinat 1988-1989

Fotografien von Barbara Köppe

Mitte der 1980er Jahre beabsichtigte Barbara Köppe Arbeiterinnen im VEB Kosmetik-Kombinat zu porträtieren. Von den damals ca. 8.500 Mitarbeitern in acht Betriebsteilen waren 75 Prozent weiblich, die Leitung oblag gleichfalls einer Frau. Ein Jahr dauerte die Genehmigungsphase, bis sie im Oktober 1988 in einem Dessauer Betriebsteil mit ihrer Arbeit beginnen konnte. Ihr Ziel war es, möglichst viele Betriebsteile aufzusuchen und dort Mitarbeiter der verschiedensten Hierarchieebenen zu fotografieren. Für Barbara Köppe öffnete sich eine ihr bis dahin unbekannte Welt innerhalb der DDR, die sie so zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Frauen arbeiteten an völlig veralteten Maschinen, verrichteten schmutzigste und schwerste Arbeiten, ständig gefährdet, weil nur geringste Umwelt- und Sicherheitsstandards eingehalten wurden. Sie beobachtete Frauen, die für die Schönheit von Frauen und Männern in heruntergewirtschafteten Fabrikhallen arbeiteten, wo sie versuchten sich notdürftig ihr Umfeld zu verschönern. Sie porträtierte Frauen, die dennoch stolz auf das Erreichte waren und als Kollektiv zusammenhielten.

Völlig frei konnte sich Barbara Köppe innerhalb des Betriebes bewegen und dabei den Verfall  der DDR-Produktionsstätten dokumentieren. Es gelang ihr, das persönliche Vertrauen zu ihren Porträtierten aufzubauen und so zu ehrlichen Aufnahmen zu gelangen, die einen Einblick in diese weibliche Produktions- und die darin gelebte Gefühlswelt zu geben. Dabei entstanden Fotografien, die einen hohen Respekt vor den Arbeiterinnen mit einer schonungslosen Darstellung der Arbeitsbedingungen verbanden. Eindimensionale Inszenierungen von Heldinnen der Arbeit ließ Köppe nicht zu. Stattdessen gestaltete sie Mehrdeutigkeiten, operierte mit Bewegungen, Geschwindigkeit und Anschnitten.

Die Ausstellung ist Bestandteil des Jahresprogramms 2019 der Kunsthalle “Talstrasse“, welches vor dem Hintergrund stattfindet, dass im Januar vor 100 Jahren  Frauen zum ersten Mal in Deutschland reichsweit wählen durften. Die Ausstellung wurde von Ursula Roper in Zusammenarbeit mit Matthias Rataiczyk kuratiert.

Bildunterschrift: Barbara Köppe, aus der Serie: Frauen-Schönheit-Schicht. Frauen im VEB Kosmetik-Kombinat, 1989, Fotografie 30 x 40 cm, Privatbesitz © Barbara Köppe

Die Ausstellung wurde gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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