Kleiner Salon am 11. Oktober um 19.30 Uhr – DAS GESPRÄCH – Uwe Steimle und Uwe Pfeifer zu Gast (nur begrenzter Kartenverkauf)

ART-APPEAL – Gefühle? Ja bitte!

Eine Ausstellung mit Unterstützung der Sammlung Klewan, München und einer Vielzahl zeitgenössischer Künstler
Ramsay, O.T., 1957, Öl auf Leinwand /
Ramsay, O.T., 1957, Öl auf Leinwand /
Johann Ender, O.T., Mitte 19.Jahrh., Öl auf Leinwand /
Frank Cresson Schell, O.T., 1911, Öl auf Leinwand /
Eduard Klieber, O.T., 1832, Öl auf Leinwand /

Im Jahr 1982 feierte die Münchner Kunstwelt mit ausgewählten Arbeiten aus der Sammlung Klewan den „Triumph des Herzens“. Süßlich-schmachtende Gesten, sehnsüchtige Blicke und siegreiche Posen aus der Zeit vom 19. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert bildeten den Mittelpunkt jener Ausstellung, die das Publikum in die heile Welt der großen Gefühle entführte. Doch war es tatsächlich die pathetische Betonung des Sentimentalen in der Malerei, die hier den Betrachter fesselte, oder vielmehr sein Erstaunen über die Ernsthaftigkeit der bildnerischen Formulierung?
Bis heute haben Künstler das Spiel mit dem schönen Schein der Emotionen perfektioniert. Pathos wurde zum Stilmittel erhoben, Gefälliges schrill aufpoliert und auf die Spitze des Kuriosen getrieben: Glückseligkeit im Glitzerkleid. Eine Auswahl von Werken der Sammlung tritt nun, 35 Jahre nach der Ausstellung „Triumph des Herzens“ erstmals in den Dialog mit Bildern heutiger Künstlerinnen und Künstlern – so werden u.a. Werke von Andreas Amrhein, Norbert Bisky, Nathalia Edenmont Jeff Koons und Marc Fromm zu sehen sein.

Entzückung? Empörung? Gefühle? Ja, bitte!
Vom 09.11.2017 bis 19.02.2018 ART-APPEAL
in der KUNSTHALLE ”Talstrasse“ in Halle (Saale).

Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel, technische Rationalität bestimmt die digitale Transformation. Vieles ist heute unsichtbar. Programme und Algorithmen sind wenig verständlich. Die Immaterialisierung hinterlässt Fehlstellen. Reale Begegnungen, Berührungen im unmittelbaren Sinne werden rar. Nicht Fakten oder Ereignisse erreichen unsere Aufmerksamkeit, sondern vor allem emotionale Momente und emotionalisierte Botschaften bewegen uns. Es wächst ein neues Bedürfnis nach Poesie, nach assoziativem Denken und natürlich – nach Gefühl!
Die zeitgenössische Kultur des 21. Jahrhunderts hat das Spannungsverhältnis von Kitsch und Kunst teilweise aufgehoben. In der Aufmerksamkeitsökonomie geht es heute vor allem um visuelle Lautstärke. Exzessive Übertreibung, das Opulente, das Exotische und Bombastische sind in den inszenierten Bildern unserer Pop-Kultur heute viel präsenter als in der kitschigen Romantik historischer Werke. Zusätzlich hat sich die Frequenz der Bilder rasant erhöht. Sie buhlen mit allen Mitteln um unsere Aufmerksamkeit.

Der grundlegende Wandel des Verhältnisses von Kitsch und Kunst begann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Die Artefakte der Alltagskultur sind Kunstkanon dank Andy Warhol, die perfekte Oberfläche ist hip dank Jeff Koons und das Bizarre finden wir wunderbar mit Damien Hirst – die Grenzen verschwimmen zunehmend. Das Phänomen Kitsch beeinflusst heute vielfältige Ausdrucksformen unserer sich schnell verändernden Gesellschaft und übt auch auf die Kunstwelt eine wachsende Attraktivität aus.
Ausgehend von lieblichen bis bizarren Kunstäußerungen des endenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts schlägt unsere Ausstellung einen Bogen hin zu Positionen der Gegenwart und verdeutlicht, wie sich zeitgenössische Kunst heute über jede Kategorisierung hinwegsetzt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
i>„Manchmal betrachte ich die Bilder auch von einem anderen Gesichtspunkt aus. Ich sehe heute das Gemälde des großen Malers und das Kitschbild mit den gleichen Augen an, und häufig vermag mir das Kitschbild mehr zu geben.“
Alberto Giacometti, 1957

Gezeigt werden ca. 50 Arbeiten aus der renommierten Sammlung Helmut Klewan (München) – überwiegend Werke des 19. und 20. Jahrhunderts in Gegenüberstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler.