Nächste Veranstaltung: Mi, 5. November, 19 Uhr: Lesung mit Uwe Kolbe - Das Alter der Elbe ~~~~ Aktuelle Ausstellung: "ZAUNKÖNIG" | Gudrun Petersdorff und Annette Schröter ~~~~ Kabinettausstellung: Zeit in der Landschaft | Claudia Berg ~~~~ Freitag, 27. November ab 20:30 Uhr - Umbau-Tanz-Party mit valentine.B~~~~ Nächste Veranstaltung: Mi, 5. November, 19 Uhr: Lesung mit Uwe Kolbe - Das Alter der Elbe ~~~~ Aktuelle Ausstellung: "ZAUNKÖNIG" | Gudrun Petersdorff und Annette Schröter ~~~~ Kabinettausstellung: "Zeit in der Landschaft" | Claudia Berg ~~~~

Vorsicht Schmuck!

Zeichen – Botschaft – Selbstbild

Zeiten ein oft lustvoll genutztes Mittel zwischenmenschlicher Kommunikation. Er ist ein nonverbales Zeichen, das für andere lesbar ist. Menschen gestalten mit dem, was sie tragen, ihr öffentlich sichtbares Selbst. Und nicht nur Kleider machen Leute. Mit Schmuck geht das besonders gut. Er wirkt unmittelbarer als Kleidung und setzt meist sehr spezifische Zeichen: ein Ehering, ein Diamantarmband, eine Panzerkette, ein religiöses Symbol oder ein auffälliges Autorenschmuckstück. All das lässt Gruppenzugehörigkeit, soziale Stellung oder Individualität erkennen – gegebenenfalls alles zugleich. Oder zumindest den Eindruck davon entstehen.

Mit der Ausstellung „Vorsicht, Schmuck!“ zeigt die Kunsthalle “Talstrasse“, wie sich in den vergangenen einhundert Jahren in der Schmuckkunst – stets in Auseinandersetzung mit den künstlerischen Strömungen ihrer Zeit – ein grundsätzlicher Wandel vollzog.  An der heutigen Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle wurde 1919 eine Metallwerkstatt unter Leitung des Goldschmieds Erich Lenné eröffnet. Seitdem ist die Ausbildung von SchmuckkünstlerInnen fester Bestandteil des Curriculums. An keiner anderen deutschen Kunsthochschule gibt es ein auch nur annähernd so langes und zudem kontinuierliches Ausbildungsangebot auf diesem Gebiet angewandter Kunst.

Mit der Ausstellung „Vorsicht, Schmuck!“ zeigt die Kunsthalle wir an diesem Beispiel, wie sich die Schmuckkunst im Laufe der Jahrzehnte im Dialog mit den jeweiligen künstlerischen Strömungen verändert hat. Unter den etwa 40 ausgewählten KünstlerInnen sind mit Dorothea Prühl, Peter Skubic, Daniel Kruger, David Bielander und anderen herausragende ProtagonistInnen der zeitgenössischen Schmuckszene.

Die Entwicklung des Autorenschmucks

In den 1960er Jahren begannen die jungen wilden Goldschmiede in den Niederlanden, in Großbritannien und den deutschsprachigen Ländern Europas das überkommene Schmuckverständnis in Frage zu stellen. Weitgehend frei von Aufträgen Dritter und frei in der Wahl von Themen und Materialien entstanden Schmuckstücke, die allein den künstlerischen Absichten ihrer Schöpfer folgten. Für diese Bewegung hat sich später die bis heute gebräuchliche Bezeichnung Autorenschmuck etabliert. Das lässt sich mit dem Autorenfilm vergleichen, dessen Hauptakteur ein weitgehend unabhängig arbeitender Regisseur ist, oder mit der Autorenfotografie: Ihre Protagonisten lösen sich aus der Auftragsgebundenheit, entwickeln als autonome Künstler eigene Bildvorstellungen.

Autorenschmuck ist kein Qualitätsversprechen. Der Begriff verweist vielmehr auf den unverwechselbaren Charakter eines von einem Künstler geschaffenen Schmuckstücks. In dem Maße, in dem diese Bewegung erfolgreich war und ihr verbindendes Motiv – die Kritik an der Tradition – an Bedeutung verlor, ist heute nur eines verbindlich: dass es keine Verbindlichkeiten gibt. Denn der Fokus hat sich verschoben: von handwerklicher Meisterschaft und stilistischer Anlehnung hin zu individuellen Haltungen, Konzepten und interdisziplinärem Arbeiten. Das klassische Meister-Schüler-Verhältnis wurde im Zuge der 68er-Bewegung und der Demokratisierung der Hochschulen zunehmend hinterfragt.

Autorenschaft an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle

An den Kunsthochschulen im Osten Deutschlands bleiben traditionelle Ausbildungs- und Autoritätsstrukturen bis 1990 weitestgehend erhalten. Trotz staatlicher Regulierung konnten sich auch hier eigenständige und experimentelle Formen künstlerischen Ausdrucks entwickeln, weil Künstler, die innerhalb der bestehenden Strukturen begrenzten Freiräume nutzten. Nach 1990 ändert sich das Bild auch an der Burg Giebichenstein grundlegend. Mit zunehmender Pluralisierung und Internationalisierung der Kunstwelt verliert sich der schulbildende Charakter. Der Fokus liegt nun auf dezidiert individuellen künstlerischen Positionen.

An der heutigen Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle wurde 1919 eine Metallwerkstatt unter Leitung des Goldschmieds Erich Lenné eröffnet. Seitdem ist die Ausbildung von SchmuckkünstlerInnen fester Bestandteil des Curriculums. An keiner anderen deutschen Kunsthochschule gibt es ein auch nur annähernd so langes und zudem kontinuierliches Ausbildungsangebot auf diesem Gebiet angewandter Kunst.

Katalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der die Entwicklung des Autorenschmucks anhand ausgewählter Werke nachzeichnet und die künstlerischen Positionen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler vorstellt. Die Publikation beleuchtet zudem die gesellschaftliche und symbolische Bedeutung von Schmuck und stellt weitere Arbeiten vor, die über die Ausstellungsauswahl hinausgehen.

____

 

Abbildungen Titelbild:

Dorothea Prühl: Graue Fische, 2015. Titan, Edelstahl. Gold, Länge einer Form 11 cm, Foto: Dorothea Prühl 

Dorothea Prühl: Dorothea Prühl: Motten, 2012, Ulmenholz, Länge einer Form 12 cm, Foto: Matthias Ritzmann

Daniel Kruger: Ring, um 2011, Sterlingsilber, Rote Pigmentbeschichtung am Ringkopf