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PABLO PICASSO & DIE VERSUCHUNG VON SANT VICENS (1953–1954)

Eric Forcada in einem Ausstellungskatalog
der Kollektion von Saint-Cyprien

In einem Beitrag zum 80. Firmenjubiläum der Keramikwerkstätten von Sant Vicens wird über die kurze intensive Beziehung von Picasso und Perpignan berichtet, jenem Ort, an dem Jean Lurçat in den Werkstätten von Firmin Bauby (1899–1981) in den Jahren 1951 bis zu seinem Tod 1966 immer wieder wirkte.

Im Sommer 1953 ist Pablo Picasso wieder in Katalonien. Vierzig Jahre nach seinem letzten Aufenthalt im Vallespir kehrt er nach Céret zurück, um seinen Freund, den Maler Pierre Brune (1887–1956), zu besuchen und sein Versprechen einzulösen, einige seiner Werke dem dortigen Musée d’Art Moderne zu schenken. Dieses Museum war dank der Hartnäckigkeit von Brune am 18. Juni 1950 eröffnet worden und bewahrte Schenkungen zahlreicher Künstler, die Céret und Katalonien besucht hatten, wie Henri Matisse (1869–1954), der dem Museum 20 Zeichnungen schenkte, die er während seiner Aufenthalte in Collioure angefertigt hatte.

Picasso, der mit seinem Kameraden Manolo Hugué (1872–1945) die Schule von Céret gegründet hatte, konnte sich dieser großzügigen Initiative nur anschließen. So schenkt er dem neuen Museum 28 Keramikschalen, die verschiedene Situationen eines Stierkampfes illustrieren.

Diese Stücke, die in den provenzalischen Werkstätten Madoura in Vallauris hergestellt wurden, verweisen in Stil und Thematik auf die iberische Vorstellungswelt, die Picassos Werk und Leben weiterhin nähren und begleiten wird.

Seit dem Sieg der Franco-Truppen über die Spanische Republik im Jahr 1939 war der Künstler nicht mehr nach Spanien gereist. Er hatte seinen Willen bekräftigt, spanischen Boden nicht mehr zu betreten, solange die Franco-Diktatur herrschte. Obwohl er schon fast 15 Jahre lang im Exil lebte, war der Wunsch, seine Heimat wiederzusehen, doch immer stärker geworden.

Im Sommer 1953 hielt sich der Meister in Céret und Perpignan auf. Diese Aufenthalte waren Ausdruck seines doppelten Wunsches, sowohl mit der katalanischen Heimat als auch mit seinen Wurzeln wieder in Verbindung zu treten. Er empfing Totote [d. i. Jeanne de Rochette, gest. 1957], die Frau von Manolo Hugué, oder seinen Neffen Xavier Vilató im Privathaus des Comte de Lazerme [d. i. Jacques de Lazerme, 1909–1986], in das er für seine Aufenthalte in Perpignan eingeladen wurde.

Als Höhepunkt dieses Aufenthalts erreichte ihn jedoch die Einladung einer Gruppe aus Céret zu einem ländlichen Mittagessen in Fontfrède im September. Von diesem hochgelegenen Dorf in Vallespir aus konnte Picasso erneut die Weite der Ebenen und Täler Nordkataloniens überblicken. Vor dieser Landschaft mit der Baie de Roses am Horizont fragt er seine anwesenden Freunde: „Warum muss es hier eine Grenze geben? Es ist das gleiche Land, die gleichen Leute, die gleiche Sprache.“

Die Absurdität der Diktatur und die Verweigerung jedweder absoluten Freiheit veranlassten ihn, an diesem Ort einen Friedenstempel zu errichten, einen Raum, der nach den Worten des Meisters einzig und allein dem Kult gewidmet sein sollte, alle Menschen zu vereinen.

Das Projekt der Errichtung des Friedenstempels und die Freude, Katalonien wiederzusehen, veranlassen Picasso, im August 1954 nach Perpignan zurückzukehren. Er wohnt wieder in der Villa der Familie Lazerme, fährt aber fast täglich nach Collioure. Er denkt sogar daran, sich dort niederzulassen. Bereits 1913 hatte er dies geplant und versucht, das Fort Saint-Elme mit Blick auf den kleinen katalanischen Hafen zu erwerben. Dieses Mal verhandelt er lieber mit dem Generalrat des Départements Pyrénées-Orientales über die Erlaubnis, sein Atelier im königlichen Schloss einzurichten, das seit der Befreiung leer stand. Er erhielt jedoch keine Antwort.

Als er das Landgut Sant Vicens besichtigt, ist er sofort begeistert. Seiner zukünftigen Frau Jacqueline Roque (1927–1986) erklärt er: „Hier werde ich mich niederlassen!”.

Im Monat August 1954 kommt Picasso nach Sant Vicens, um dort zu arbeiten. Firmin Bauby und der Drechsler Eugène Fabrégas unterstützen ihn bei der Ausarbeitung des Dekors, das er für seinen Friedenstempel in Fontfrède entworfen hatte.

Das Kunstzentrum in Sant Vicens erscheint Picasso als idealer Rahmen für die Verwirklichung seiner weitreichenden Pläne und seiner Arbeit als Keramiker. Für Firmin Bauby würde die Möglichkeit, sowohl die Werke von Lurçat als auch die von Picasso zu realisieren, den Bekanntheitsgrad und das Prestige seiner Einrichtung steigern. Diese Künstler waren Teil der Bewegung zur Neudefinition des Kunstgewerbes, die von den Anhängern des Kommunismus besonders gefördert wurde.

Während der Arbeitsphasen setzt Bauby alles daran, seinen prestigeträchtigen Gast zu halten, doch „Pablos Pläne, sich im Roussillon niederzulassen, gefielen“, wie der Kritiker Pierre Cabane (1921–2007) schreibt, „nicht allen; vor allem nicht denjenigen, die durch ihn und Vallauris ein Vermögen gemacht hatten.“  Der Maler Édouard Pignon (1905–1993), der Kritiker Michel Leiris (1901–1970) sowie George (1901–1976) und Suzanne Ramié (1905–1974), die Besitzer der Ateliers Madoura, waren klar dagegen.

Als sie von Picassos geheimer Beziehung erfuhren, suchten sie die Nähe derjenigen, die das Leben des Künstlers teilte, Jacqueline Roque. Nach Vallauris zurückgekehrt, und damit weit weg von Françoise Gilot (*1921), lebte das Paar von nun an zusammen. Jacqueline Roque, die laut Totote die einzige Frau war, die Picasso um den Finger gewickelt hatte, isoliert den Meister zunehmend. Beseelt von dem Wunsch, ihn von ihrer Rivalin Paule de Lazerme (1910–2012) fernzuhalten, versuchte sie Picasso daran zu hindern, sich im Roussillon niederzulassen.

Der Friedenstempel wird 1959 in Vallauris unter dem Namen Musée national Pablo Picasso – La Guerre et La Paix eröffnet. Von Picassos Aufenthalten in Sant Vicens bleibt nur eine schöne und flüchtige Spur: sein Name und ein Datum, der 29. August 1954, die er in ein Aloe-Blatt geritzt hatte. Die Signatur unter einem noch nicht abgeschlossenen Werk als Würdigung des Werkes von Firmin Bauby: Sant Vicens.