30. September 2025
Pietà
Ernst Barlach (1870–1938)
Pietà, 1932,
Bronze, 63,2 x 54,5 x 24,5 cm
Barlachmuseum Güstrow
Barlachs „Pietà“ gehört zu den eindringlichsten Skulpturen der deutschen Moderne, in der das traditionelle Motiv der trauernden Maria mit dem toten Christus eine neue Ausdrucksform erhält. Anstelle naturalistischer Dramatik setzt Barlach auf eine radikale Vereinfachung der Formen: blockhaft geschlossene Volumina, streng symmetrische Komposition und ein asketischer Ausdruck verleihen der Darstellung monumentale Ruhe. Maria hält den horizontal ausgestreckten Christus in den Armen, ohne Pathos, fast wie in einer stillen Umarmung, die Schmerz und Trost zugleich birgt.
Die Skulptur knüpft an die mittelalterliche Tradition der Vesperbilder an, überträgt sie jedoch in eine moderne, abstrahierte Sprache. Barlach verzichtet auf sentimentale Gestik und legt den Schwerpunkt auf das existentielle Verhältnis von Leben und Tod, Trauer und Hoffnung. In ihrer konzentrierten Formensprache wird die „Pietà“ zu einem Symbol universalen Leidens, das über religiöse Kontexte hinausweist.