30. September 2025
Der Tote Harlekin
Werner Tübke (1929–2004)
Der Tote Harlekin, 1978,
Mischtechnik auf Pressspanplatte, 65,2 x 59,6 cm,
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland
Das Gemälde von Werner Tübke verbindet religiöse Bildsprache mit satirischer Brechung. Zentral liegt ein Toter, in klassischer Grablegungspose, umgeben von drei Figuren: links eine Frau mit Rose, Sinnbild für Liebe oder Erinnerung, in der Mitte eine verhüllte Gestalt in Rot und Blau, die an Maria erinnert und zugleich auf die Verletzlichkeit des Körpers verweist, rechts ein grotesker Narr mit Stab. Über allen schweben drei kleine Flammen, die an Pfingstflammen erinnern, zugleich aber ironisch verfremdet wirken: Sie stehen für Geist, Seele oder Läuterung, doch in Tübkes Deutung auch für trügerische Inspiration. So entsteht ein Bild zwischen Sakralzitat und Narrensatire, dass Torheit, Tod und gesellschaftliche Verblendung in vielschichtiger Symbolik vereint.